763 Jahre – Ein Ort für Menschen
Burg | Schon im Hochmittelalter gab es Menschen, die einer besonderen Betreuung und Pflege bedurften. Diese Betreuung und Pflege sind mit der von heute gewiss nicht vergleichbar, das Ansinnen, diesen Menschen eine Heimstatt und ein würdiges Leben zu ermöglichen, jedoch schon. So ist es erklärbar, dass im Jahr 1263 in Burg das erste Hospital für hilfsbedürftige Bürger entstand.
Dieses Hospital wurde an einer Stelle der Stadt errichtet, an der auch heute noch Menschen Betreuung und Pflege erhalten. Eine lange Zeit, in der auch für den Standort und die dortigen Gebäude Höhen und Tiefen das Dasein bestimmten. Beinahe 600 Jahre lang stand das einstige Hospital, ehe es durch einen Neubau ersetzt wurde.
Aus dem Hospitalstandort wurde, dank einer großzügigen Finanzierung, der Standort eines Waisenhauses. Wieder fanden Menschen Unterkunft, Betreuung und Pflege. Wieder stand ein würdiges Leben im Mittelpunkt. Dank des Philanthropen Carl August Gottfried Pieschel, der in seinem Testament verfügte, dass 300.000 Pfund Sterling seines Erbes für den Bau einer Einrichtung zur Erziehung von Kindern in seiner Heimatregion genutzt werden sollten.
90 Jahre lang sollte dieses Vermögen ausreichen, um dem letzten Willen von C. A. G. Pieschel gerecht zu werden. Dann folgten Weltwirtschaftskrise und Inflation. 1923 schloss das Waisenhaus seine Türen.
Spätestens jetzt wissen die Burger, um welches Gebäude und um welchen Standort es sich handelt. Es ist das heutige DRK-Seniorenzentrum in der Berliner Straße, das im Volksmund noch immer den Namen Pieschelsche Anstalt trägt. Und dieser Name kommt nicht von ungefähr. Er speist sich aus dem Namen des einstigen Erbauers und der Funktion in der Deutschen Demokratischen Republik, in der das Haus als Schule genutzt wurde.
Mitte der 1990er-Jahre folgte ein schleichender Niedergang für das Haus, das bis dahin viele Menschen hatte kommen und gehen sehen. Das einst prachtvolle Gebäude verfiel zusehends, bis es beinahe eine Ruine war.
Seine Rettung erfolgte im Jahr 2006. Wieder waren es Menschen, die sich für andere einsetzten. Es waren Menschen, die sich unter dem Roten Kreuz vereinten. Der DRK-Kreisverband Burg kaufte das Gebäude und sanierte es denkmalgerecht.
Was als Hospital begann, wurde zum Seniorenzentrum und das ist es noch heute. 20 Jahre später blicken die Verantwortlichen des heutigen DRK-Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land e. V. auf eine Erfolgsgeschichte zurück, die viele Mütter und Väter hat. Vor allem jene, die als Pfleger, in der Küche, in der Reinigung, der Haustechnik, der sozialen Betreuung und der Verwaltung täglich engagiert dafür sorgen, dass das DRK-Seniorenzentrum C. A. G. Pieschel laut dem Magazin Focus zu einer der besten Pflegeeinrichtungen Deutschlands wurde.
Mit 4,8 von 5 Punkten bewertete das Magazin die Einrichtung. Ein tolles Geschenk zum 20-jährigen Bestehen, zu dem auch der Bürgermeister der Stadt Burg die Einrichtung besuchte.
Dort unterhielt er sich nicht nur mit den Mitarbeitern der Einrichtung, die ein Bewohner-Personal-Verhältnis von nahezu 1:1 aufweisen, sondern auch mit Bewohnern. Und er hörte den Leiter der Einrichtung, Sebastian Rudolph, über dessen Einrichtung sprechen.
„20 Jahre, das klingt nach einer ziemlich langen Zeit. 20 Jahre Pieschel bedeuten 20 Jahre voller Leben. 20 Jahre gemeinsam lachen und feiern. Wir feiern deshalb kein Gebäude, sondern die Menschen, die dieses Gebäude lebendig gemacht haben“, erklärte Rudolph.
Damit knüpfte er nicht nur an 20 Jahre DRK-Seniorenzentrum an, sondern an die 763 Jahre des Standortes, der durch persönliche Lebensgeschichten geprägt ist und wurde.
Bürgermeister Philipp Stark dankte Rudolph für die Menschlichkeit und Herzlichkeit, die im DRK-Seniorenzentrum zu spüren sind und die sich über die Jahrhunderte in der Stadt und am Standort erhalten haben.
„Die Geschichten und Namen all jener, die als Bedürftige im Hospital, als Waisen, Schüler oder Senioren hier einen Teil ihres Lebens verbrachten, sind die Geschichte der Stadt, des Standortes und des Hauses selbst“, so Stark.