Das Leben spielt die beste Musik
Burg | Beim Tanzen ist es wie im Leben. Jeder Schritt führt zu einer Bewegung und einem Gefühl. Und im Hintergrund läuft die Melodie, die Musik. Sie gibt den Takt vor.
Für Axel (72) und Andrea (68) Wiesner ist das so ziemlich die Beschreibung für 50 Jahre glückliches Eheleben. Streit, den kennen die beiden nach eigenen Angaben nicht. Auf die Füße treten – warum? Wer im gleichen Takt schwingt, der genießt.
Und das ist bei den beiden erkennbar. Sie genießen. Sich, ihre Zweisamkeit und ihren Garten. Blüten und Bäume, wohin das Auge sieht. Und dann lacht das Herz, so wie Andrea lacht, wenn sie über das Früher spricht.
Früher, das ist für das goldene Hochzeitspaar der Sandkasten. In dem haben sich beide nämlich quasi kennengelernt. „Zwei Schwestern, eine Freundschaft und ein Sessionsabschluss“ – so könnte ein Filmtitel lauten, bei dem im Hintergrund die Melodien des Lebens der beiden spielen.
Von diesen Melodien gibt es im Hause Wiesner einige. Schallplatten, Kassetten, CDs, DVDs. Denn das Sammeln alter Musiktitel von den 1950er-Jahren bis heute ist die gemeinsame Leidenschaft der beiden. Bis die aber voll zur Geltung kommen konnte, bedurfte es dieses einen Moments. Dieses einen Abends am 2. März 1974, an dem Andrea in der Prinzengarde tanzte und Axel als Gast bewundernd zusah.
Dass die beiden zur damaligen Zeit räumlich nicht gerade Nachbarn waren, ist dabei bemerkenswert. Während Andrea mit ihrer Familie in Waldfrieden wohnte, lebte Axel am Brehm. Und trotzdem hat es gefunkt. Vom Soldatensender zur Soldatentochter, sozusagen.
Doch zurück zu jenem Abend, bei dem aus „tausendmal berührt“ ein „Zoom“ wurde. Eben jener Abend, an dem der Karneval in Burg noch lebendig war und eine Liebe aufblühte, wie heute die Rosen im Garten der Wiesners.
Axel brachte seine Andrea damals ganz Gentleman nach dem Auftritt natürlich nach Hause. Und er blieb gleich da. So war das eben damals. Nur sechs Tage später wurde Andrea auch Axels Eltern vorgestellt. Und auch sie blieb. Bei Axel und in der Familie.
Zwei Menschen, zwei Familien und erneut ein Zweiter eines Monats. Nur zwei Monate später.
Der 2. Mai wurde zum Tag zweier Prüfungen: der in Mathematik und der Prüfung der jungen Liebe. Andrea gab ihre Prüfung nach einer Stunde ab und erhielt darauf eine glatte Eins. Axel stieg in den Zug und musste sich von seiner Liebe zunächst verabschieden.
Was folgte, waren 18 Monate lang gespitzte Bleistifte und viel Papier. „Jeden zweiten Tag schrieb ich auf Wache einen Brief und erhielt einen anderen zurück. Auf Wache hatte man viel Zeit zum Schreiben und Lesen“, erinnert sich Axel. Die Briefe haben die beiden lange aufbewahrt. Heute erinnern sie sich gemeinsam mit einem Lächeln daran. Genauso wie an ihre Hochzeit am 14. August 1976.
Geheiratet wurde natürlich am alten Rathaus in Burg. Es war sonnig und warm. So wie 50 Jahre später beim Besuch des Bürgermeisters Philipp Stark auch. Dass es damals ein Samstag war und der Polterabend auf einen Freitag, den 13., fiel, machte den beiden nichts aus. Gefeiert wurde in der Mittelstraße mit der Familie. Dort, wo Axel nach seiner Armeezeit eingezogen war. Natürlich zunächst in ein eigenes kleines Zimmer.
1979 erfolgte der Umzug mit ihren Eltern in die Pulverstraße, wo Andreas Vater, ein Offizier, ein Häuschen erhielt. Während Axel bereits fleißig die 400 Aufbaustunden für eine eigene Wohnung in der Wilhelm-Kuhr-Straße ableistete, bereitete sich Andrea auf Sohn Christian vor, der sich anschickte, die kleine Familie zu erweitern. Er kam 1981 zur Welt und wurde der große Bruder von Schwester Sabine, die 1983 die Familie komplettierte.
Bis 1995 wohnten die beiden in der Wilhelm-Kuhr-Straße. Dann erfüllten sie sich den Traum vom eigenen Haus mit Garten und Pool.
Heute haben Axel und Andrea fünf Enkelkinder und noch immer jene Leidenschaft, die sie durch ihr gemeinsames Leben begleitet hat: die Musik.
„Mehr brauchten wir auch nicht“, meint Andrea Wiesner.
Bis auf einen regelmäßigen Rhythmus vielleicht: Kreuzfahrten. Und den Wunsch nach einer Asien-Rundreise. Denn auch dort gibt es eine andere Musik zu entdecken.
Und so spielt das Leben der beiden auch nach 50 gemeinsamen Jahren seine ganz eigene Melodie.
