Hoher Besuch in Burg

Burg | Wenn der ehemalige Oberbefehlshaber der indischen Streitkräfte, die über 1,4 Millionen Soldaten verfügen, zum ersten Mal nach Deutschland reist, dann vermutlich, um andere Militärs, Politiker oder Wirtschaftsvertreter zu treffen. Doch General Anil Chauhan, ehemaliger Chief of Defence Staff (CDS) der indischen Streitkräfte, entschied sich für einen Besuch der Stadt der Türme: Burg. Seine erste Deutschlandreise nutzte der ehemalige ranghöchste Soldat der indischen Streitkräfte, um dem Leben und Wirken von Carl von Clausewitz nachzugehen.

Was bietet sich für einen ausgesprochenen Clausewitz-Freund da besseres an, als die Clausewitz-Erinnerungsstätte und das Grab des großen Militärphilosophen? Chauhan, selbst Autor zweier Bücher, interessierte sich dabei vor allem für Clausewitz’ berühmtestes Werk „Vom Kriege“ sowie dessen Wirken in Burg und in der preußischen Armee. Hierzu konnte der Kustos der Clausewitz-Erinnerungsstätte, Dr. Rolf-Rainer Zube, fachlich und inhaltlich Auskunft geben. Zuvor wurden gegenseitige Gastgeschenke ausgetauscht und dem General a. D. der Mitgliedsantrag für die Clausewitz-Gesellschaft überreicht.

Ein ehemaliger Oberbefehlshaber der indischen Streitkräfte in Burg? Da könnte man Bankette erwarten. Doch Chauhan wollte Geschichte. Nicht nur rund um Carl von Clausewitz, sondern auch über Burg. Deshalb gab es nach der Besichtigung der Clausewitz-Erinnerungsstätte eine geführte Tour durch die mittelalterliche Stadt.

Hierzu zählte auch der Besuch der „Kirche Unserer Lieben Frauen“, in der sich das originale Taufbecken erhalten hat, in dem auch Carl von Clausewitz getauft wurde. Anschließend waren die Türme und ihre Geschichte Teil des Stadtrundganges. Immer wieder gab es dabei den Bezug zu jenem Mann, der den ehemaligen CDS Anil Chauhan nach Burg gebracht hatte: Carl von Clausewitz.

Die Bedeutung, die Clausewitz in der militärhistorischen und militärphilosophischen Ausbildung von Offizieren der Bundeswehr heute noch zukommt, war ebenfalls Gegenstand des Austauschs. Chauhan zeigte großes Interesse an Clausewitz und dessen Gedanken. Gerade im asiatischen Raum und in den USA wird Clausewitz’ Werk weiterhin in militärstrategischen Zusammenhängen rezipiert. Davon zeugen auch die zahlreichen Übersetzungen von „Vom Kriege“ in der Clausewitz-Erinnerungsstätte, die unter anderem in chinesischen Schriftzeichen (Hanzi), japanischen Schriftzeichen (Kanji) und kyrillischer Schrift vorhanden sind. Eine Übersetzung in Devanagari, der Schrift, in der Hindi und weitere indische Sprachen geschrieben werden, soll demnächst hinzukommen.

Das versicherte Generalleutnant Chauhan beim Blick auf die Vitrine mit den Übersetzungen. Chauhan selbst brachte indes ein indisches militär- und staatsphilosophisches Werk mit nach Deutschland: die „Arthashastra“, ein altindisches Staatslehrbuch, dessen Text 1905 wiederentdeckt wurde und damit gut in die Sammlung der Clausewitz-Erinnerungsstätte passt.

Dass Burg als Geburts- und letzte Ruhestätte von Carl von Clausewitz immer wieder internationale Gäste empfängt, ist auch für Bürgermeister Philipp Stark ein wichtiges Signal für den Erhalt der Erinnerungsstätte. Er selbst begrüßte Generalleutnant Chauhan und nahm sich die Zeit, ihn persönlich durch die Stadt der Türme zu führen. Gespräche über Kultur, Burg als Garnisonsstandort und auch ganz persönliche Anekdoten gehörten dazu.

„Ich freue mich, dass unsere Stadt für solche hochrangigen Militärs und internationalen Gäste eine Reise wert ist. Mit Carl von Clausewitz haben wir dahingehend einen Sohn der Stadt, dessen internationale Strahlkraft wir erhalten müssen“, so Stark.

Die Clausewitzgesellschaft

Die Clausewitz-Gesellschaft ist ein Verein, dessen Mitglieder aktive und ehemalige Offiziere aus dem Generalstabs- und Admiralstabsdienst sind oder waren. Rund 1.000 Mitglieder aus vielen Nationen gehören der Clausewitz-Gesellschaft an. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, „aus den Gedanken Carl von Clausewitz’ Nutzen für die Gegenwart zu ziehen und zu prüfen, welche der von ihm formulierten Grundsätze und Einsichten noch heute von Bedeutung sind“.

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